GRUNDLAGEN
DER VERHALTENSLEHRE - EINFÜHRENDER TEXT
Bitte lesen Sie den folgenden
Text über den Wolf, und unterstreichen Sie alle Stellen, die Ihrer Meinung nach VERHALTEN
beschreiben.
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Kanadischer
Wolf (Canis
lupus)
Bild:
M. Weber |
Wolf (Canis Iupus)
KR 110 - 140 cm, S 30 - 40 cm, KH 70 - 80 cm, G 25 - 50 kg. Ähnlich dem Schäferhund, jedoch
hochbeiniger; Brustkorb schmaler, Hals dicker, Kopf breiter; Augen schräg gestellt.
Haarkleid je nach Gegend und Jahreszeit unterschiedlich in Dichte und Färbung. -
Geschlechtsreif mit etwa 2 Jahren; Paarungszeit im Winter (1); Tragzeit: rund 63 Tage; 1 - 8, meistens 3 - 6 Junge.
Geburtsgewicht: 300 - 400 g; Augen öffnen sich mit 9 - 12 Tagen; Entwöhnung mit 7 - 8
Wochen. Lebenserwartung: 12 - 16 Jahre; Lebensraum: ausgedehnte Wälder, Buschsteppen,
Moorgebiete. Heimat : Eurasien, Nordamerika. Im westlichen Europa, mit Ausnahme von
Gebieten in Spanien, Portugal, Italien und Skandinavien weitgehend ausgerottet. Als
Nahrungskonkurrent verhasst, als Sinnbild des freien, ungebundenen Lebens bewundert und
zugleich gefürchtet, hat der Wolf im Leben der nordischen Völker seit jeher eine
beachtliche Rolle gespielt. Sagen und Märchen zeugen ebenso davon wie zumeist
unglaubwürdige Abenteuerberichte und Reisegeschichten. Dabei gehört der Wolf erwiesenermaßen zu den
Raubtieren (2), durch die der Mensch nur in wenigen
Ausnahmefällen zu Schaden gekommen ist. Wölfe sind Siedlungsflüchter. Nur dort, wo man
ihre natürliche Beutetiere ausgerottet hat, vergreifen sie sich gelegentlich an
Haustieren. Obwohl der durch sie verursachte Schaden im allgemeinen übertrieben wird,
stellt man ihnen allenthalben nach. - Wölfe leben
in Rudeln, die bis zu 20 Tiere
umfassen können. Vor allem im Winter, wenn sie auf gemeinschaftliche Jagd (Rentier, Elch
und andere Hirsche) angewiesen sind, ist der Zusammenhalt besonders eng; im Sommer dagegen
lockern sich die Bindungen zwischen den Rudelmitgliedern.(3)
Bei keinem anderen Raubtier gibt es eine auch nur annähernd vergleichbare Vielfalt der
Ausdruckerscheinungen wie beim Wolf. An der Haltung des Kopfes, der
Gesichtsmimik, der Ohrenstellung, der Haltung und Bewegung des Schwanzes sowie des
gesamten Körpers kann man unschwer ablesen, in welcher Stimmung sich jedes Tier befindet
und welche Rolle es in der Gemeinschaft einnimmt. Die Rangordnung ist bei Wölfen
stärker ausgeprägt als bei allen anderen Hundeartigen. Die der Rüden unterscheidet sich
deutlich von der der Weibchen. Während es bei den männlichen Wölfen nur einen überlegenen
gibt, der alle anderen, die untereinander gleichrangig [Grundlagen der
Verhaltenslehre - Einführender Text(2)] sind, beherrscht, hat man bei den
weiblichen Wölfen eine gleitende Abstufung zwischen dem ranghöchsten und den
rangtiefsten Weibchen festgestellt.(4)
Querverbindungen zwischen der Rangordnung der Rüden und der das Weibchen gibt es kaum. Beißen ist neben Drohen und Imponieren
der wichtigste Bestandteil aggressiven Verhaltens. Bei den meisten
Auseinandersetzungen innerhalb des Rudels besteht jedoch eine deutliche Beißhemmung; sie
bewirkt, dass entweder gar nicht gebissen wird oder nur schwach. Schwere, ungehemmte Beißereien ereignen
sich nur bei Machtkämpfen um die Führungsposition; sie werden derart erbittert
ausgetragen, dass der Unterlegene kaum mit dem Leben davonkommt. - Im Freiland gehen die
einzelnen Wolfrudel einander aus dem Weg, so dass es Gruppenkämpfe nicht gibt. Während
der Wintermonate stimmen Wölfe, vor allem in der Dämmerung, ein Chorgeheul an, das recht
melodisch klingt und über weitere Strecken zu hören ist.(5)
Es dient vermutlich dem Zusammenhalt des Rudels. In Gefangenschaften wird der Chorgesang
oft durch Glockenläuten o.ä. ausgelöst. - Im Gegensatz zum Haushund, als dessen
alleiniger Stammvater der Wolf heute gilt, sind Wolfsrüden nicht das ganze Jahr über
fortpflanzungsfähig, sondern nur während der kurzen Brunstzeit. Im Freiland wird
vermutlich nur das ranghöchste Weibchen des Rudels begattet und bringt Junge; alle
anderen weibliche Tiere bleiben ohne Nachkommen.(6)
Diese Geburtenregelung ist biologisch sinnvoll. Im Zoo dagegen können mehrere Wölfinnen
gleichzeitig werfen. Das Weibchen sucht ein Versteck auf oder
gräbt eine Erdhöhle, in der die Jungen zur Welt kommen. An der Aufzucht der Kleinen
beteiligten sich nicht nur Mutter und Vater: auch die anderen Rudelmitglieder tragen den
Jungen Fleisch zu, das sie oft über weitere Entfernungen transportieren und dann
auswürgen.(7) - Während des ersten Lebensjahres stehen
die Jungwölfe außerhalb der Rangordnungshierarchie: sie genießen ,,Narrenfreiheit"
(8) im Hinblick auf die Erwachsenen und sind untereinander
rangmäßig gleichwertig.
Quelle: Frädrich, Zooführer Säugetiere, Stuttgart 1973
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Dem
Text zugeordnete Funktionkreise: (1)
Fortpflanzungsverhalten (im weiteren Sinne);
(2) Nahrungsverhalten;
(3) Gruppenverhalten;
(4) Rangordnungsverhalten;
(5) Agonistisches Verhalten (Rangordnung);
(6) Fortpflanzungsverhalten;
(7) Brutpflegverhalten;
(8) Rangordnungsverhalten.

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