Es liegen Ihnen zwei Texte aus
zoologischen Werken vor, die beide den Eichelhäher beschreiben.
1. Wodurch unterscheiden sich die beiden Texte in stilistischer Hinsicht? Geben Sie bitte
Beispiele an !
2. Welche Einstellung gegenüber Tieren steht hinter beiden Berichten?
TEXT 1:
DER EICHELHÄHER
Er ist ein unruhiger, lebhafter, listiger, ja äußerst
verschlagener Vogel, der durch sein Treiben viel Vergnügen, aber auch viel Ärger
bereitet. Zu seiner Belustigung und Unterhaltung nimmt er die mannigfaltigsten Stellungen
an, ahmt auch die verschiedensten Stimmen in vortrefflicher Weise nach. Er ist höchst
gewandt im Gezweige, ebenso ziemlich geschickt auf dem Boden, aber ein ungeschickter
Flieger, daher überaus ängstlich, auf weithin freie Strecken zu überfliegen...
Leider besitzt der Häher ...Eigenschaften, wodurch er sich die ... Gunst des Menschen ...
verscherzt. Er ist Allesfresser im ausgedehntesten Sinne des Wortes und der abscheulichste
Nestzerstörer, den unsere Wälder aufzuweisen haben...
LENZ hält ihn für den Hauptvertilger der Kreuzotter und beschreibt in ausführlicher
Weise, wie er jungen Kreuzottern, so oft er ihrer habhaft werden kann, ohne Umstände den
Kopf spaltet und sie dann mit großem Behagen frißt, wie er sogar die erwachsenen
überwältigt,..., indem er den Kopf des Giftwurms so sicher mit Schnabelhieben
bearbeitet, daß dieser bald das Bewußtsein verliert und durch rasch aufeinander folgende
Hiebe binnen weniger Minuten getötet wird. NAUMANNs Bruder fand einen Eichelhäher
beschäftigt, eine alte Singdrossel, die Mutter einer zahlreichen Kinderschar, die sich,
wie es schien, dieser zuliebe auf geopfert hatte, abzuwürgen...
TRINTHAMMER verdammt den Häher... : "Was treibt dieser fahrende Ritter", fragt
er, "dieser verschmitzte Bursch, der schmucke Vertreter der Galgenvögelgesellschaft,
die ganze Brutzeit hindurch? Von Baum zu Baumschweifend, ergattert er die Nester, säuft
die Eier aus, verschlingt die nackten Jungen mit Haut und Haar und hascht und zerfleischt
die ausgeflogenen Gelbschnäbel, die noch unbeholfen und ungewitzigt ihn zu nahe kommen
lassen... Wo dieser Strauchmörder überhand nimmt, ist an ein Aufkommen der Brut nicht
mehr zu denken."
Quelle; BREHMS TIERLEBEN 4. Band 3, Auflage, 1891, S. 453-456
TEXT 2:
Der Eichelhäher ahmt andere Vögel und Geräusche so unvermittelt
t und täuschend nach, daß der gewiegteste Vogelkenner dann und wann darauf
hereinfällt» Während der Fortpflanzungszeit wird der Eichelhäher schweigsam.
Die außerordentliche waldbauliche Bedeutung des Eichelhähers wird heute ... immer noch
nicht recht gewürdigt. Während man in der
Sowjetunion den Eichelhäher als Forstnützling mit allen Mitteln hegt, wird er in
Deutschland sinnlos und völlig "gesetzmäßig" verfolgt. Nur gut, daß sich der
kluge Vogel nicht ausrotten läßt. Freilich holt er zuzeiten Eier und
Nestlinge, verliert
aber auch von seinem eigenen Nachwuchs so manches an die stärkeren Krähen, die der
Mensch weitgehend von ihren natürlichen Feinden, dem Habicht, dem Wanderfalken, dem Uhu
befreit hat. Im Nymphenburger Park in München brüten seit mindestens hundert Jahren ein
bis zwei Paar Eichelhäher. Trotzdem halten sich dort die Singvögel in ziemlich großer
Zahl.
Quelle: GRZIMEKS TIERLEBEN, Band 9, 1970, S. 488-489
Bearbeitung der Aufgaben:
Text 1: - Verwendung von vielen Adjektiven =>
Vergleich mit dem Menschen: verschlagen,
listig, lebhaft;
- negative
Darstellung des Eichelhähers;
- subjektive
emotionale Darstellung;
Text 2: - sachlich und objektiv.
Bei der Beschreibung tierlichen
Verhaltens sind folgende Aspekte zu beachten:
- Verwendung von neutralen, objektiven möglichst
unbelasteten Begriffen;
- sachlich schreiben;
- keine menschlichen Gefühle unterstellen, d. h. keine Anthropomorphismen.
s. a. Textbeispiel "Der Kakerlak"

