Problem: Angeboren oder erlernt?
- angeborenes Verhalten beruht auf genetischer Grundlage
- erlerntes Verhalten beruht auf individuell
gemachten Erfahrungen.
Beispiel.: Im Herbst vergraben Eichhörnchen
Nüsse im Sand. Ist das Grabverhalten des
Eichhörnchens angeboren oder muss es erlernt werden?
Methode: Eichhörnchen isoliert aufziehen, ohne
Sand und ohne Nüsse; Kontrollgruppe!
Im Herbst bietet man Nüsse und Sand.
Ergebnis: Eichhörnchen gräbt Nuss in den Sand
ein.
Das Grabverhalten ist angeboren, es wird durch Erfahrungen verbessert.
Angeboren ist auch das Erkennen der Nuss. Sie stellt einen Schlüsselreiz
dar.
Um zu entscheiden, aus welcher Quelle ein bestimmtes Wissen stammt, hindert
man Tiere während der Aufzucht daran, die für den Wissenserwerb notwendigen
Erfahrungen zu sammeln.
Man muss wissen durch welche Reize die Bewegung oder Bewegungsfolge
normalerweise ausgelöst wird. Dem Tier dürfen nur diese Reize vorenthalten werden, damit es in seinem
Gesamtverhalten nicht zu sehr geschädigt wird.
In der Testsituation werden den Kaspar-Hauser-Tieren die auslösenden Reize geboten,
wenn auch die Tiere der Kontrollgruppe in der Natur darauf reagieren.
- Tritt das typische Verhalten auf, kann man es als angeboren bezeichnen.
- Tritt das Verhalten nicht auf, so kann nicht gesagt werden , dass das
Verhalten erlernt ist. Durch die unnatürliche Aufzucht kann eine
Degenerationserscheinung aufgetreten sein.
- Tritt aber das Verhalten nach Bieten aller zuvor entzogenen Reize nach und
nach auf, so kann geschlossen werden, dass es erlernt wird.
Bewegungsmotorik
Beispiel: Flugbewegung von Tauben
Methode: Tauben werden in engen Kästen aufgezogen, in denen die Flügel
nicht ausgebreitet werden können. Als die Kontrollgruppe erste Flugerfahrungen sammelt, wird
den Versuchstieren auch die Möglichkeit gegeben zu fliegen.
Ergebnis:
Die Versuchstiere lagen nur anfänglich in ihrer
Flugleistung hinter der Kontrollgruppe.
Folgerung: Fliegen ist erbkoordiniert,
es muss nicht geübt bzw. erlernt werden; durch Übung kann es jedoch verbessert
werden.
Integrationsniveau
Erkennt das Testtier den Reiz und kann die dazu gehörigen Bewegungen auch in
der richtigen Reihenfolge anwenden, so spricht man von höheren
Integrationsniveau. Beherrscht das Testtier zwar die Bewegungen auf Anhieb aber
noch nicht in der richtigen Reihenfolge, so spricht man von erwerbskoordiniertem
Niveau.
Links zum Thema Kaspar Hauser: