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Kontakt:
Michael Weber |
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Die Handlungskette
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Quellentext: Irenäus Eibl-Eibesfeldt, 1974: Grundriss
der vergleichenden Verhaltensforschung. München/Zürich, Piper Verlag,
S. 197-198.
„Wenn ein Lebewesen auf einen Reiz antwortet,
ändert sich oft die auslösende Reizsituation, etwa indem sich das Tier
in eine Position bringt, in der nun neue Reize wirksam werden. Wir
wissen z. B., dass eine Biene zunächst visuell auch auf ein buntes
Papier losfliegt. Sie wird sich aber selten darauf niederlassen, denn
wenn sie herankommt, merkt sie am Geruch, dass hier kein Nektar zu
erwarten ist. Wenn wir einen entsprechenden Geruch hinzufügen, wird sie
landen und weitersuchen. Wieder andere Reize sind dann nötig, um auch
die Saugbewegungen auszulösen. Der Bienenwolf (Philanthus triangulum)
fliegt auf der Suche nach Bienen von Blume zu Blume und reagiert
zunächst nur optisch auf bewegte Objekte, selbst auf kleine Fliegen,
die er nicht erbeutet. Nimmt er ein bewegtes Objekt wahr, dann stellt er
sich leewärts von ihm in 10 bis 15 cm Entfernung in der Luft auf und
prüft den Wind. Kommt die entsprechende Witterung - man kann ihm auch
eine mit Bienengeruch versehene Attrappe reichen -, stürzt er sich
darauf. Allerdings sticht er nur, wenn er wirklich eine Biene vorfindet;
mit Attrappen war diese Reaktion noch nicht auszulösen (N. Tinbergen
1935). In allen diesen Fällen bringt sich das Tier handelnd in neue
auslösende Reizsituationen.
Dort, wo zwei aufeinander abgestimmte Partner, etwa
Geschlechtspartner, als Spieler und Gegenspielerauftreten, lösen sie
wechselseitig bestimmte Antworten des Partners aus, die ihrerseits
auslösende Reize darstellen. Ein besonders schönes Beispiel liefert N.
Tinbergen (1951). Erscheint ein Stichlingsweichen im Revier eines
Männchens, beginnt er sofort mit dem Zickzacktanz. Dieser löst nun
eine besondere Präsentierbewegung des Weibchens aus. Daraufhin führt
er sie zum Nest, sie folgt, er zeigt den Nesteingang, und sie schlüpft
ein. Nun stößt er in schneller Folge gegen ihren aus dem Nesteingang
schauenden Schwanzstiel, worauf sie ablaicht. Sie schwimmt dann weg, und
er besamt. Jeden einzelnen dieser Reize kann man im Attrappenversuch
nachmachen. Man kann z.B. das Männchen entfernen, nachdem das Weibchen
einschlüpfte, und durch Betrommeln des Schwanzstiels das Ablaichen
auslösen. Unterbleibt dieser Reiz, dann reißt die Kette hier ab, das
Weibchen laicht nicht. Wo immer die Verhaltensfolge von auslösenden
Reizen bestimmt wird, können Glieder der Kette übersprungen werden.
Auch ein bereits abgehandeltes Verhalten kann bei entsprechender
auslösender Reizkonstellation rekapituliert werden." |
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Eine Handlungskette ist eine Aufeinanderfolge von einzelnen
Instinkthandlungen, wobei jede Instinkthandlung des einen Partner Auslöser für
die nächstfolgende Instinkthandlung des anderen Partners ist. Handlungsketten
laufen gleichgehend in gleicher Reihenfolge ab.
Beispiel einer Handlungskette: Paarungsverhalten des Stichlings
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Weibchen
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Männchen
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erscheint
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zeigt Zick Zack Tanz
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zeigt
Präsentierbewegung
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schwimmt zum Nest
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folgt zum Nest
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zeigt Nesteingang
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schlüpft ins Nest
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stößt gegen Schwanzstil
(Schnauzentriller)
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laicht ab und schwimmt weg
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besamt
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".... ist Schlüsselreiz für die
nachfolgende Instinkthandlung."
Handlungsketten treten häufig im Fortpflanzungsverhalten auf.
Die biologische Bedeutung einer Handlungskette
liegt im Verneiden von Fehlpaarungen zwischen Individuen verschiedener Arten und
in der örtlichen und zeitlichen Synchronisation der Geschlechter bei der
Paarung, sodass eine Befruchtung gesichert wird.
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Handlungsketten im weiteren Sinne:
1. Beispiel: Handlungskette
des Bienenwolfs:
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Schlüsselreiz |
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Instinkthandlung |
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Bewegtes Objekt |

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leewärts davon aufstellen |
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Bienengeruch |

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sich auf die Biene stürzen |
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Berührung der Biene |

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stechen |
2. Beispiel: Handlungskette der Biene:
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Schlüsselreiz |
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Instinkthandlung |
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Farbe |

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Anfliegen |
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Duft |

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Niederlassen |
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Berühren |

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Saugbewegung |
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".... ist Schlüsselreiz für die
nachfolgende Instinkthandlung."
"...bewirkt eine neue Reizsituation."
Unter einer Handlungskette versteht man eine Folge von Handlungen, in der
durch ein Verhalten jeweils die Reizsituation entsteht, die die nachfolgende
Handlung auslöst.


Vanessa u. Jasmin, 2000, verändert von M. W.
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