Evolutionsfaktoren
Eine Ursache der Variabilität: Mutabilität
Mutationen treten zufällig auf.
Sie können einzelne Gene oder ganze Chromosomen betreffen.
Mutationen können durch Mutagene, wie z.B. UV- und
Röntgenstrahlung oder bestimmte Chemikalien, induziert
werden. Allerdings ist die Art und Schwere der Mutation, die
dadurch hervorgerufen nicht vorhersehbar.
Treten Mutationen nicht zu selten auf, um relevant für die
Evolution zu sein?
Angenommen die Mutationsrate pro Genort betrage 10-6,
es gäbe 105 Individuen in der Population und 105 Genorte
pro Individuen, dann gilt:
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105 |
* |
105 |
= |
1010 |
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Individuen |
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Genorte pro
Individuum |
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Genorte in der
Population |
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1010 |
* |
10-6 |
= |
104 |
|
Genorte in der Population |
|
Mutationsrate pro
Genort |
|
Mutationsrate in der Population |
Also: Es treten ca. 10-6 Mutationen pro
Genort auf, d. h., es treten 10-6 Mutationen in 1010
Genorten auf, d. h., es gibt 104 = 10.000 Mutationen in
der Population
oder anders ausgedrückt von 100.000 Individuen
mutieren statistisch gesehen 10.000 Genorte. Das ist eine
Mutationsrate von durchschnittlich 10%.
Die Mutationsrate ist auf ein einzelnes Gen gesehen relativ
gering, wenn man jedoch die Gesamtheit aller Gene einer Population
betrachtet, dann ist sie beträchtlich.
Sind Mutationen nicht meist nachteilig?
| 1. Beispiel: Stummelfflügeligkeit ist für
Fliegen in der Regel von Nachteil, für die
Kerguelen-Insekten jedoch gilt dies nicht. Die
Kerguelen-Fliege, die Stummelflügel besitzt, lebt auf den
stürmischen Kerguelen-Inseln
im südindischen Ozean. In diesem Fall ist die
Stummelflügeligkeit eine vorteilhafte Mutation, da die
Fliege sonst bei starken Sturm auf das Meer getrieben.
2. Beispiel: Bei der Drosophila-Fliege sind
Stummelflügel ein nachteilige Mutation, da die betroffenen
Fliegen weder gut Nahrung suchen können, noch vor
Fressfeinden fliehen können. Allerdings haben Tests
gezeigt, dass Drosophila-Fliegen mit Stummelflügeln bei
völligem Futter- und Wasserentzug eine längere
Überlebensdauer haben als normalflügelige
Drosophila-Fliegen.
Weiteres Beispiel: Industriemelanismus
(externer Link). |
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Fazit: Es hängt von der jeweiligen Umwelt
der mutierten Individuen ab, ob eine Mutation positiv oder negativ
ist.
Eine weitere Ursache der Variabilität: Rekombinationen
Auch die Rekombination ist ein Vorgang, der zu genetischer Vielfalt führt.
Durch sie kommt es zu neuen Genkombinationen, die wiederum neue
Merkmalskombinationen bewirken.
Während der Meiose gibt es zwei
Möglichkeiten der Rekombination: die inter- und die
intrachromosomale Rekombination. Erstere entsteht durch die
zufällige Trennung der homologen Chromosomen während der ersten
Reifeteilung, letztere wird durch das crossing-over
während der
Prophase in der 1. Reifeteilung und der Verteilung der
Ein-Chromatid-Chromosomen in der 2. Reifeteilung bewirkt.
Beim Verschmelzen von
Ei- und Samenzelle kommt es zusätzlich zu einer Neukombination des
genetischen Materials.
Rekombinationen treten wesentlich häufiger auf als Mutationen,
aber nur durch Mutationen wird die Bildung neuer Merkmale möglich.

Arkadiusz M., M. W. Feb. 2003

Modifikationen als weitere
Ursache der Variabilität.
Eine weitere Ursache der Variabilität ist die Modifikation;
Hierbei handelt es sich um die Änderung des Phänotyps durch Umwelteinflüsse,
um eine individuelle, nicht erbliche Anpassung
während eines Lebens. Modifikationen
sind kein Evolutionsfaktor, da es sich hierbei um nicht
erbliche Veränderungen handelt, also nur um Änderungen des
Phänotyps, nicht des Genotyps. Im Prinzip bestand Lamarcks
Fehler darin, dass er annahm, dass solche phänotypischen
Änderungen vererbt werden würden.

M. W. 2003

Evolutionsfaktor: Selektion
Selektionsbegriff:
Eine Mutante der Fruchtfliegen hat
Stummelflügel. In der Natur sind diese flugunfähigen Tiere nicht
lebensfähig. Sie sind z.B. bei der Nahrungs- und Partnersuche dem
Wildtyp gegenüber benachteiligt.
Doch bei den stummelflügligen und somit
flugunfähigen Fliegen auf den Kerguelen-Inseln sind diese Flügel
von Vorteil. Normalflüglige Insekten würden leicht vom Wind aufs
Meer hinausgetrieben werden. In beiden Fällen wirkt die natürliche
Auslese oder Selektion.
Besondere Umweltfaktoren üben einen Selektionsdruck
aus. Normalflüglige Fliegen haben gegenüber den stummelflügligen
Fliegen einen Selektionsvorteil. Bei den flugunfähigen Fliegen der
Kerguelen-Inseln übt der Wind
Selektionsdruck aus. Hier haben stummelflüglige Mutanten einen
Selektionsvorteil. Sie gelangen häufiger zur Fortpflanzung als
normale Fliegen, ihre Anzahl wird in der Population zunehmen.
In beiden Fällen sind die Fliegen den
Umweltbedingungen angepasst. Diese Angepasstheit ist streng
umweltabhängig.
Wie wirkt Selektion?
Natürliche Selektion setzt immer am Phänotyp
an. Nur wenn Gene phänotypisch ausgeprägt sind, kann die Selektion
wirken. Genotypische Unterschiede, die phänotypisch nicht sichtbar
werden, erfasst die Selektion nicht.
Die Evolutionsbiologen DARWIN und MAYR
präzisieren den Begriff natürliche Auslese so:
DARWIN: Die
Umwelt entscheidet ob ein Organismus mit seinen jeweiligen
Eigenschaften überlebt oder nicht. Dies lässt ein wirkendes
Prinzip oder Wesen in der Natur vermuten.
MAYR: Die Organismen, deren
physiologischen Vorgänge überlegen funktionieren erweisen sich
gegenüber der Umwelt als überlegen.
Selektionsfaktoren:
Sind Umwelteinflüsse die, die Fortpflanzungsrate
verschiedener Individuen unterschiedlich beeinflussen.
Abiotische Selektionsfaktoren (Faktoren der
unbelebten Umwelt):
Kälte, Hitze, Luftfeuchtigkeit, ph-Wert des Bodens...
Biotische Selektionsfaktoren (Faktoren der
belebten Umwelt):
Fressfeinde, Nahrungskonkurrenten, Beute, Krankheitserreger,
Parasiten...
Selektionsformen
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Stabilisierende
Selektion: Ist die häufigste Form der Selektion.
Extreme Phänotypen werden an den Enden der
Merkmalsverteilung eliminiert. Die durchschnittlichen
Individuen einer Population werden begünstigt.
Beispiele: Sperlinge mit sehr langen
oder sehr kurzen Flügeln werden öfter bei Stürmen getötet
als Sperlinge mit durchschnittlichen langen Flügeln. Hier
übt der Sturm einen Selektionsdruck aus.
Ein weiteres Beispiel, ist das
Geburtsgewicht von Säuglingen. Kinder mit einem sehr hohen
bzw. mit einem sehr geringen Geburtsgewicht haben eine höhere
Sterblichkeit als Kinder mit einem durchschnittlichen
Geburtsgewicht.
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Gerichtete
Selektion: In einer Mäusepopulation werden extrem langsame
Tiere durch Fressfeinde häufiger gefangen und damit häufiger
eliminiert als schnellere Mäuse, die häufiger entkommen. Hier
wird ständig zugunsten der schnelleren Tiere selektiert. Bei
dieser Form der Selektion wird der Mittelwert des Merkmals
beeinflusst. Die Verteilungskurve wird verschoben, in diesem Fall
nach rechts. |
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Disruptive
Selektion: Ist die seltenste Form der Selektion. Die extremen
Phänotypen werden bevorzugt.
Beispiel: Der Purpurastrild, ein Vogel
aus Kamerun. Es gibt Vögel dieser Art mit sehr kleinen bzw. sehr
großen Schnäbeln, aber kaum Vögel mit einem mittelgroßen
Schnabel. Vögel mit großen Schnäbeln können sehr harte Samen
besser knacken, dem gegenüber können Vögel mit sehr kleinen
Schnäbeln sehr weiche Samen besser knacken. Vögel mit
durchschnittlich großen Schnäbeln können beide Samenarten
weniger gut knacken.
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Anne K., Feb. 2003

Evolutionsfaktor: Gendrift
Definition: Veränderung des Genpools
einer Population aufgrund von Zufall (Umweltkatastrophen wie Feuer,
Überschwemmungen oder Blitzeinschläge), bezeichnet man als
genetische Drift.
Zwei Situationen können zu Populationen führen,
die klein genug für eine genetische Drift sind: der Flaschenhalseffekt
und der Gründereffekt.
Flaschenhalseffekt:
Durch eine Umweltkatastrophe wird die genetische Variabilität einer
Population stark verringert. Dies kann dazu führen, dass bestimmt
Allele eliminiert werden.
Beispiel: In der Population der südlichen See-Elefanten
starben bei einer Umweltkatastrophe 1500 von 2000 Tieren. Die
überlebenden Tiere breiteten sich mit einer etwas anderen
genetischen Zusammensetzung aus, welche auch benachteiligte Mutanten
sein können. Von großer Bedeutung für die Zusammensetzung einer
Population können also zufälliger Tod oder zufälliges Überleben
sein.
Gründereffekt:
Durch eine Neubesiedlung eines Lebensraums mit wenigen
Gründerindividuen, wird der Genpool der Teilpopulation stark
verändert. Zuvor seltene Allele können nun häufiger, seltener
oder gar nicht mehr auftreten.
Beispiel: Zuvor lebten 5 grüne, 7 blaue und 19 gelbe
Insekten einer Art auf einer Insel. Durch eine Neubesiedlung einiger
Gründerindividuen auf der Nachbarinsel vermehrten sich die gelben
Insekten stark und die blauen weniger stark. Die grünen Insekten
besiedelten die Nachbarinsel gar nicht. Somit wurde der Genpool der
Teilpopulation stark verändert.
Rekombination:
Die Rekombinationen liefern neue Phäno- und Genotypen. Dadurch ist
die Voraussetzung geschaffen, dass die geeigneten Phänotypen mit
ihren günstigen Gen-Kombinationen ausgelesen werden. Die genetische
Rekombination erfolgt durch die zufallsmäßige Verteilung der
väterlichen und mütterlichen Chromosomen, sowie durch das
Crossing-over bei der Meiose. Somit ist es möglich, dass die
Nachkommen einer Generation zufällig nur den Genotyp z.B. AA
besitzen. Das Allel a geht eventuell verloren. Beispiel: Kreuzt man
AA x Aa, so erwartet man Individuen mit den Genotypen AA und Aa im
Verhältnis 1:1; aufgrund der Rekombination können aber auch nur
Individuen mit dem Genotyp AA auftreten, Allel a geht verloren in
der Population.

Lara B. Feb. 2003 |