Doppelte Quantifizierung einer Instinkthandlung
Für die Intensität der
Instinkthandlung sind zwei Faktoren verantwortlich:
1.) Höhe der Handlungsbereitschaft
2.) Stärke des Schlüsselreizes
Das Zusammenspiel dieser beiden Faktoren bezeichnet man als doppelte Quantifizierung einer Instinkthandlung.

Leerlaufhandlung
Quellentext:
“Leerlaufhandlung” v. Konrad
Lorenz (Beispiel einer
Leerlaufhandlung vom Star)
„Die
Leerlaufreaktion lässt sehr klare
Schlüsse darüber zu, welche Teile
einer Handlungsfolge instinktmäßig
angeboren sind. Besonders wertvoll ist
dies dann, wenn höher spezialisierte
und längere, rein instinktmäßige
Ketten von Handlungen leer ablaufen.
So besaß ich einst einen
jungaufgezogenen Star, der den
gesamten Handlungsablauf der von einer
Warte betriebenen Fliegenjagd als
Leerlaufreaktion brachte, und zwar mit
einer Menge von Einzelheiten, die auch
ich bis dahin für zweckgerichtete
Bewegungen und nicht für
instinktmäßig gehalten hatte. Er
flog auf den Kopf einer bestimmten
Bronzestatue in unserem Wohnzimmer und
musterte von diesem Sitze aus
andauernd den „Himmel" nach
fliegenden Insekten, obwohl an der
Decke des Zimmers keine vorhanden
waren. Plötzlich zeigte sein ganzes
Verhalten, dass er eine fliegende
Beute erblickt hatte. Er vollführte
mit Augen und Kopf eine Bewegung, als
verfolgte er ein dahinfliegendes
Insekt mit seinen Blicken, seine
Haltung straffte sich, er flog ab,
schnappte zu, kehrte auf seine Warte
zurück und vollführte die seitlich
schlagenden Schleuderbewegungen mit
dem Schnabel, mit denen sehr viele
insektenfressende Vögel ihre Beute
gegen die Unterlage, auf
der sie gerade sitzen, totzuschlagen
pflegen. Dann vollführte er mehrmals
Schluckbewegungen, worauf sich sein
knapp angelegtes Gefieder etwas
lockerte und in vielen Fällen der
Schüttelreflex eintrat, ganz, wie er
nach einer wirklichen Sättigung
einzutreten pflegt. Sein ganzes
Verhalten ahmte so täuschend den
seinen biologischen Sinn erfüllenden
Ablauf nach, vor allem wirkte sein
Benehmen, kurz ehe er abflog, so
überzeugend, dass ich nicht nur
einmal, sondern wiederholt auf einen
Stuhl kletterte, um nachzusehen, ob
mir nicht doch bisher irgendwelche
kleinsten fliegenden Insekten
entgangen wären. Es waren aber
wirklich keine da. Besonders das
Verfolgen eines in Wirklichkeit nicht
vorhandenen beweglichen Zieles mit den
Augen erinnerte zwingend an das
Verhalten mancher auf optischem
Gebiete halluzinierenden
Geisteskranken und drängte mir die
Frage auf, welche subjektiven
Erscheinungen für den Vogel wohl mit
der Leerlaufreaktion verbunden seien.
Das Verhalten dieses Stars erbrachte
den Beweis, dass die orientierte
Bezugswendung nach der Fliege hin das
einzige Appetenzverhalten ist, das in
dieser Handlungsfolge eine Rolle
spielt."
Konrad Lorenz: Über die Bildung
des Instinktbegriffs. Die
Naturwissenschaften 25 (1937). In: K.
LORENZ: Über tierisches und
menschliches Verhalten: Gesammelte
Abhandlungen l. München: Piper 1965,
S. 302
Begriffsbestimmung
und Erklärung der Leerlaufhandlung :
Das
spontane Auftreten einer normalerweise
durch Außenreize hervorgerufene
Handlung in Abwesenheit dieser Reize;
Problem: Auslösende Reize sind
eventuell für uns nicht
erkennbar.
Erklärung: Der Antriebsstärke ist so
hoch, dass selbst bei einer
Reizstärke von null die Handlung
abläuft
.Download Bio-Screensaver
von Jochen H., 2000

