Beobachtung: Auf den Galapagosinseln leben 13 verschieden
Finkenarten (Galapagos- oder auch Darwinfinken genannt). Diese Finkenarten unterscheiden sich in ihrer Lebensweise; es gibt Körner- und
Insektenfresser; einige Arten leben auf dem Boden, andere auf Kakteen,
Mangroven oder auf Bäumen. Auf dem 1.100 km entfernten Festland (Ekuador), lebt
jedoch nur eine Finkenart. Diese ist ein körnerfressender
Bodenfink.
Frage: Wie kam es zur Entstehung dieser Arten?
Erklärung: Einige Individuen der Festlandpopulation (Gründerindividuen)
fingen an die Galapagosinseln zu besiedeln. Da Nahrung und Brutplätze im
Überfluss vorhanden waren und so gut wie kein Konkurrenzkampf herrschte,
geht man davon aus, dass die Vermehrungsrate sehr hoch war. Dies führte
folglich zur Übervermehrung. Die Übervermehrung übte einen gewissen
Druck auf die Finken aus. Es kam zur Konkurrenz untereinander und der
Selektionsdruck auf eine gewisse Art von Spezialisierung wuchs.
Da die Galapagosinseln eine kleine Inselgruppe bilden, siedelten manche
Finken auf andere Inseln hinüber oder wurden zufällig durch Stürme oder
andere Ursachen dorthin verschlagen.
Auf diesen Insel herrschten jedoch andere Lebensbedingungen. Nun gab es
neue, leere ökologische
Nischen, die eine unterschiedliche Anpassung der Finken ermöglichten.
Ein weiterer Aspekt ist, dass diese Finken von den Gründerfinken der
ersten Insel geographisch getrennt (separiert) wurden und sich nun nicht mehr
miteinander fortpflanzen konnten. Die zuvor herrschende Panmixie wurde durch die
geographische Separation aufgehoben.
Die Finken verbreiteten sich innerhalb kurzer Zeit (evolutionär
betrachtet) über die Galapagosinseln. Nach dieser Auseinanderentwicklung
wurden einige Individuen auf die Insel der Ausgangsart zurückvertrieben
und lebten dort mit der Ausgangsart in Koexistenz zusammen, da sie
inzwischen durch Isolationsmechanismen fortpflanzungsmäßig voneinander
isoliert waren.
Diesen Vorgang, d. h. die Aufspaltung einer Art innerhalb einer relativ
kurzen Zeitspanne in mehrere Arten, die jeweils an verschiedene
ökologische Nischen angepasst sind, nennt man adaptive
Radiation. Voraussetzungen für adaptive
Radiation sind